Hachijojima – erste Eindrücke

Die ersten Tage auf Hachijojima sind verstrichen. Nachdem der erste Tag für Dezember noch erstaunlich warm war, hat eine windige Wetterfront aus dem Norden kühles Wetter und, wie sollte es anders sein, viel Regen mitgebracht.

Meine Aktivitäten haben sich so also etwas in Grenzen gehalten und ich konnte meinen Jetlag ausschlafen.

Ich war natürlich auch sehr neugierig, welche Einschränkungen des Taifun ich hier nun aktuell erleben werde. Als nicht japanisch sprechender Tourist, fällt es mir etwas schwer wirklich in die Tiefe zu dringen, deshalb erst einmal die oberflächlich, für mich sichtbaren Einschränkungen.

Die größten Schäden sind in der Trinkwasserversorgung entstanden. Ca. 2700 Haushalte waren vorübergehend ohne Wasser. Die Ursache hierfür liegt darin, dass auf der südlichen Insel Wasserquellen durch Erdrutsche beschädigt und die Leitungen teilweise zerstört wurden.

Noch immer wird auf der Insel zum sparen von Wasser aufgefordert und von den Onsen haben in diesem Bereich der Insel nur das Miharashi- und das Fureai-no-Yo Hot Spring geöffnet.

Auf meiner Autofahrt über Kashitate, Nakanogo nach Sueyoshi sind viele Hänge bei Erdrutschen zerstört worden und die Sicherungsmaßnahmen vor weiteren Erdrutschen sind in vollem Gange. Gerade der Stadtteil Sueyoshi muss von einer gigantischen Schlamm- und Baumlawine überrollt worden sein, nachdem ganze Straßenzüge in den Abgrund gerissen worden sind.

Viele Wald- und Bergebiete sehen total zerrupft aus, einst grüne, mich an Jurassic Park erinnernde Landschaften, weisen jetzt graue, abgestorbene Bereiche auf, in denen entweder die Bäume fehlen, oder durch den zerstörten Untergrund abgestorben wirken.

Einige Straßen, unter anderem der Noboryo Pass, sind noch immer für den Verkehr gesperrt.

Schäden an den Wohngebäuden sind für mich ebenso schwer zu beurteilen. Da aus meiner Sicht Hachijojima keine wirklich wohlhabende Bebauung aufweist und viele Häuser bereits in den letzten Jahren schon schwer mitgenommen aussahen. Yoshio ist im Baugewerbe tätig und berichtet mir, dass allein er in seiner Firma aktuell über 30 Baustellen hat, in denen Häuser wieder hergerichtet werden müssen. Er selbst hat einige Tage in einer Notunterkunft zugebracht, da nicht sicher war, ob weiter umstürzende Bäume und zusätzliche Erdrutsche ein Gefahr darstellen. Aktuell leben wohl ca. 100 Personen weiterhin in Notunterkünften.

Viele Dächer sind mit Planen („Blue Sheet“) notdürftig repariert und bei dem Regen und Sturm welcher in den letzten beiden Tagen hier wieder über die Insel gezogen ist, fällt es schwer sich vorzustellen, nur eine Plane als Schutz auf dem Dach zu wissen.

Allgemein mangelt es an Handwerkern um die nötigen Reparaturen zeitnah umsetzen zu können.

Ein Bereich den ich als Tourist nicht einschätzen kann, sind die wirtschaftlichen Folgen mit denen viele Gewerbetreibende zu kämpfen haben. Eine wichtige Einnahmequelle hier sind Gärtnereien und Blumenbaubetriebe, deren Gewächshäuser und Pflanzen schwer beschädigt worden. Auch verschiedene Handwerksbetriebe und Fertigungswerke regionaler Produkte, z.B. der Milchviehbetrieb hier auf Hachijojima haben schwer zu kämpfen. Neben Zerstörungen wurde auch Weideland zerstört und die Milchproduktion ging durch den erlebten Stress der Tiere zurück.

Da ich es nicht besonders angenehm empfinde, Situationen der Zerstörung zu fotografieren, belasse ich es bei diesen Aufnahmen. Am Wochenende kommt Yoshiko auf die Insel und sie wird mit den Betroffenen besprechen, wo unsere Spendeneinnahmen, notwendige und sinnvolle Unterstützung für den Bereich der darstellenden Künste bieten kann.

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