神社の日

Jinja no hi – Tag der Schreine

Heute ist es wieder bedeckt und regnerisch auf Hachijojima. 

Ich fahre als Erstes zur Osato Steinmauer und dem ehemaligen nachgebauten altertümlichen Dorf von Hachijojima. Leider ist dieses vor ein paar Jahren abgebrannt und dem wieder hergerichteten einzelnen Gebäude fehlt es an Charme, da das Dach nicht mehr mit Stroh gedeckt ist.

Danach führt mich mein Weg heute an allen möglichen Shintoschreinen vorbei. Schreine gibt es in Japan an allen Ecken und Kanten, ich habe heute nicht allen einen Besuch abstatten können.

Aber bei den Besuchen sind mir allerlei Gedanken durch den Kopf gegangen. Was für eine Anziehungskraft haben diese Schreine auf mich? Besuche ich eine europäische Stadt laufe ich ja auch nicht in alle Kirchen, die sich an meinen Weg stellen.

Als erstes fällt mir auf, dass mich Kirchen mit ihrer Macht und ihrem Prunk erdrücken. Ich kann in ihnen nicht sein, wie ich bin, sondern fühle mich schuldig und für die Erlösung von dieser Schuld, wo auch immer sie ihre Ursprünge hat, bin ich auf externe Hilfe angewiesen und gebe so irgendwie meine Selbstverantwortung ab. 

Shintoschreine kommen eher unaufdringlich daher. Sie spiegeln mir den Lauf der Dinge, da sie meist eher verfallen wirken, so wie auch unser Körper mit der Zeit immer mehr verfällt und sich dem Kreislauf der Materie unterordnet.

Außerdem fällt mir auf, dass der Weg zu manchen Schreinen sehr gefährlich ist, jedenfalls hier auf Hachijojima. Steile Felssteintreppen aus runden, durch den Regen nass und rutschig, sind zu bezwingen. Eine totale Achtsamkeitsübung, denn jede Unachtsamkeit winkt mit den schlimmsten Folgen.

Wenn Japaner an einem Schrein beten, folgen sie, wie in so vielen anderen Dingen, einer vorgegebenen äußeren Form.  Diese fühlt sich für mich zuerst fremd an, wenn ich sie nachmache, fast verboten und aneignend. Mit der Zeit wurde dies jedoch zu einer Selbstverständlichkeit. Oft kann ich nicht feststellen, welchen Göttern diese Schreine erbaut wurden, es sei denn sie heißen Inari oder Hachiman, aber das ist für mich auch nebensächlich, ich fühle mich dann in diesen Momenten eher mit mir und allem anderen verbunden. Das ist Gebet genug, denn irgendwie sind wir doch alle göttlich.