Verlasse dein Haus nie ohne ein Handtuch!

Wander – und Onsentag

Am heutigen Tag steht kein Taiko auf den Programm. Und da das Wetter sonnig ist, mache ich mich nach dem Frühstück auf den Weg eine aus dem Internet herunter geladene Wanderung durchzuführen.

Die geplante Strecke führt von Ikusabata hinauf auf den Berg Takamizu und von dort weiter wieder Berg ab nach Mitake.

Aber wer einen Berg hinunter laufen möchte, der muss erst einmal hoch.

Kaum habe ich die größere Straße hinter mir gelassen, begegnen mir wieder unzählige Bären Warnungen. Ja, ich weiß, ich habe diesmal keine Bärenglocke dabei.

Noch ein paar Meter weiter steht mitten im Nichts ein Toilettenhäuschen, ebenfalls mit Bärenwarnung darauf.

Mein Handy zeigt keinen Empfang, also kann ich mir nicht übersetzen lassen, was auf dem Schild steht.

Wahrscheinlich lockt Menschen Pippi die Bären an und deshalb hier die Möglichkeit ohne Bär sein Geschäft zu verrichten.

Wie dem auch sei, ich möchte diese These nicht zwingend beweisen und nutze diese letzte Chance.

Die ersten Kilometer geht der Weg steil bergauf. Wer meine letzten Japan Reisen verfolgt hat, weiß, das Japaner ungern Serpentinen bauen. Der Weg selbst kommt mir nicht wie ein Wanderweg vor, sondern wie ein Geröllwasserfall, in welchem sich das Regenwasser, wenn es zu viel wird, seinen unaufhaltsamen Weg ins Tal sucht.

Japaner sind glaube ich die einzige Weltbevölkerung, welche die Geschichte „Per Anhalter durch die Galaxis“ sehr ernst nehmen. Gehe nie ohne dein Handtuch aus den Haus, heißt es dort. Und tatsächlich hat in Japan fast jeder immer sein Handtuch dabei. Klein und schmal muss es sein, so dient es nicht nur als Schweißläppchen, sondern notfalls auch als Kopfbedeckung.

Hier im Wald hängen an Gestrüpp und Ästen tatsächlich mehrere Handtücher allein, ohne Japaner, im Wind.

Wie kommt das?

Sind sie von Aliens entführt worden? Oder von Bären verspeist?

Da in Japan kein Müll herum liegt, hat sie auf jeden Fall kein Japaner absichtlich entsorgt.

Wie dem auch sei, ich bin nach einer halben Stunde fix und fertig, käme jetzt ein Bär, hätte er leichte Beute.

Außerdem würde ich ihn durch mein Schnaufen kaum hören.

Oder doch?

Was war das für ein Geräusch?

Ein Stein der durch eine Bärentatze ins Rollen gekommen ist?

Meine Nackenhaare stellen sich aufrecht und entspannen erst, nachdem ich einen anderen Wanderer vor mir entdecke.

Fast auf dem Gipfel angekommen, werde ich durch eine wunderschöne Tempelanlage belohnt, der Takamizuyamajofukin.

Mag sein, dass ich hier gegen die Etikette verstoßen habe, allerdings konnte ich es mir nicht verkneifen, scheinbar allein mitten im Wald, die Tempelglocke zu schlagen.

Danach geht der Weg etwas entspannt weiter, zwar ist noch immer je nach Abschnitt kaum ein Weg zu erkennen und ich kletter über Steine und Baumwurzeln, aber inzwischen kommen mir hin und wieder andere Wanderer entgegen, was mich hoffen lässt, das Bärenthema ist für heute abgehakt.

Wären da nicht noch die Hornissen und Bienen.

Knapp vier Stunden nach meinem Start erreiche ich auf jeden Fall lebend den Ort Mitake und beschließe, wie 2017 weiter nach Oku-tama zu fahren und das erste Mal seit langer Zeit wieder ins Onsen zu gehen.

Zum Glück bin ich noch im Besitz meines Handtuches.

Das Moegi No Yu Onsen ist hier in der Gegend wohl der Geheimtipp, glaube ich den Gesprächen anderer Badegäste. Allerdings, wenn es so geheim ist, wie konnte ich es dann vor fünf Jahren finden?

Fakt ist, auch wenn etwas teurer, ist es ein wunderschöner Onsen mit Außenbecken direkt im Wald.

Was gibt es Schöneres als nackt mit 10 nackten Japanern, die dich als Ausländer kritisch beäugen, in einem Becken mit über 40 Grad heißem Wasser zu sitzen und genüsslich vor sich hin zu schwitzen?

Zum Tagesabschluss belohne ich mich noch mit einem teuren Restaurantbesuch. Bestellung über Tablet ist zwar nicht so persönlich, aber perfekt für nicht Japanisch verstehende Menschen wie mich.

いただきます。